Seit dem 1. Mai 2004 darf sich, dank der neuen freuen Arztwahl, jeder EU-Bürger in allen Mitgliedstaaten zahnärztlich behandeln lassen. Da in Ungarn der Zahnersatz bis zu 70% günstiger ist, nutzen jetzt schon alljährlich bis zu 160.000 Österreicher das Angebot und pilgern über die Grenze. Die Kosten für die Behandlungen werden seit Mai 2004 zum Teil auch von deutschen Krankenkassen rückerstattet. Für zahlreiche Deutsche ist der ungarische Zahnarzt deshalb eine Alternative. In vielen ungarischen Arztpraxen spricht man zudem fließend Deutsch, einige Zahnärzte haben sich in Einkaufszentren oder Hotelanlagen niedergelassen, und Termine gibt es bis spät abends und auch am Wochenende.
Ungarische Zahnärzte genießen einen guten Ruf und haben günstigere Tarife als ihre deutschen Kollegen. Die tieferen Preise entstehen vor allem durch geringere Lohnkosten und kostengünstigere Materialien. In Ungarn hat sich deshalb mittlerweile ein regelrechter Zahntourismus etabliert. Eine Reihe von Veranstaltern bietet Zahnbehandlungen an, die An- und Abreise, Aufenthalt, Transfer und Zahnarzttermin beinhalten. Oft kann eine Zahnbehandlung mit Angeboten aus den Bereichen Schönheitspflege und Wellness kombiniert werden. So haben manche Praxen zum Beispiel einen angeschlossenen Massagesalon oder einen Optiker im eigenen Haus. Ebenso sind in einigen Praxen die Übernachtungen für Patienten in den Behandlungskosten eingeschlossen.
Die Ausbildung ungarischer Zahnärzte ist meistens sehr gut, die der Zahntechniker in der Regel aber noch ausbaufähig. Die Abschaffung der Meisterprüfung im Jahr 1990 und ein Stundenlohn von etwa zwei Euro schaden immer wieder der Arbeitsqualität. An den Materialien liegt das aber nicht. Die entsprechen überwiegend dem internationalen Standard. Sollten Probleme auftreten, hat der Patient Anspruch auf die üblichen, zweijährigen Garantieleistungen. Eine kostenfreie Nachbesserung übernimmt allerdings nur der behandelnde Zahnarzt. Akute Schmerzen muss dagegen jeder Arzt behandeln. So können Probleme eine weitere Reise erfordern und die Kosten in die Höhe schnellen lassen.
Mit Vorsicht zu genießen sind Behandlungszentren in Grenznähe, die fast ausschliesslich nach wirtschaftlichen und nicht nach medizinischen Kriterien geführt werden. In der Regel werden diese nicht von Ärzten betrieben, sondern gehören Investoren aus ganz Europa. Wegen des wirtschaftlichen Drucks werden dort zeit- und kostenintensive Vorbehandlungen oft nicht oder in unzureichendem Umfang durchgeführt.
Eine Zahnbehandlung in Ungarn fordert vom Patienten grundsätzlich mehr Eigeninitiative. Vor einer Behandlung sind einige Dinge zu bedenken: Zuerst sollte abgeklärt werden, ob es in sprachlicher Hinsicht keine Probleme gibt. Ein erster Besuch vermittelt Eindrücke von Personal und Praxis. Informationen lassen sich telefonisch abklären oder finden sich auf der Internetseite der Praxis. Um bei einer möglichen späteren Reklamation oder bei Fragen etwas in der Hand zu haben, ist es ratsam, sich einen Implantatpass ausstellen zu lassen, in welchem die Marke und die genauen Maße des Implantats eingetragen sein sollten. Bei Füllungen sollte das Material vermerkt sein. Vorhandene Röntgenbilder und Befunde sind dem behandelnden ungarischen Zahnarzt mitzubringen. Die Behandlungskosten in Ungarn müssen immer bar bezahlt werden. Einen Zuschuss der Krankenkasse erhält man erst im Nachhinein. Wieder zurück in Deutschland muss die Abrechnung der Krankenkasse vorgelegt werden. Die gesetzlichen Krankenversicherer erstatten einen Teil der Kosten, die Privaten dagegen die ganze Rechnung zurück. Um bei den gesetzlichen Kassen eine Rückerstattung zu bekommen, muss man sich vom ungarischen Zahnarzt eine detaillierte Rechnung geben lassen, auf der jede Leistung einzeln aufgeführt ist. Wird diese Rechnung zusammen mit dem Bonusheft vorgelegt, bezahlen die gesetzlichen Versicherer einige Posten - mit den seit Januar 2005 gültigen Festzuschüssen, die auch bei einer Behandlung in Deutschland gelten. Die Regelung ist aber von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Von der Rückerstattung der Kasse abgezogen werden die gesetzlichen Zuzahlungen, die Praxisgebühr und eventuell auch ein Zuschlag für höhere Verwaltungskosten. Möchte man im vornherein wissen, wie viel die Krankenkasse bezahlen wird, sollte man sich in Deutschland einen kostenlosen, Heil- und Kostenplan erstellen lassen, Auf dieser Grundlage entwirft der ungarische Zahnarzt dann einen eigenen Heil- und Kostenplan.
Aufgrund dessen kann die Krankenkasse entscheiden, was sie bezahlen wird. Der Heil- und Kostenplan sollte in deutscher Sprache verfasst sein und den in Deutschland gebräuchlichen Richtlinien entsprechen. |